Sonntag, 8. Juli 2012

Neulich im Wartezimmer..........


Als ich die Tage bei meiner Zahnärztin (ja, auch glückliche Menschen müssen hin und wieder zum Zahnarzt) im Wartezimmer wartete, (was sonst tut man in einem Wartezimmer?) hatte ich die wunderbare Gelegenheit Verhaltensforschungsstudien am lebenden Objekt zu betreiben:

Ich konnte eine kleine Wespe (ich nenne sie Wespy, mit y weil das cooler aussieht als mit i) am offenen Fenster aus nächster Nähe beobachten.

Des Aufenthaltes im Wartezimmer wahrscheinlich überdrüssig, krabbelte Wespy aufgeregt herum.
Offensichtlich auf der Suche nach einem Weg in die Freiheit.

Doch Wespy hatte ein großes Problem: Vor das Fenster war ein schwarzes Fliegengitter gespannt und auf eben diesem suchte Wespy nun die Lösung.

Normalerweise ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen für eine Wespe, doch dieses Fliegengitter hatte an der linken Seite einen breiten Riss.

Oh welch ein Glück! Für Wespy das Ende aller Probleme und der Weg in die Freiheit!

Also schnell das ganze Gitter abkrabbeln und -fliegen, den Riss entdecken und ‘raus – Problem gelöst, alles gut.

Was aber tat Wespy????



Sie strengte sich sehr an, flog und krabbelte abwechselnd (das Krabbeln übrigens mit erstaunlicher Geschwindigkeit), konzentrierte all‘ ihre Aufmerksamkeit und Kraft - leider jedoch nur auf die rechte Seite des Gitters. ……

Sie krabbelte hektisch, flog immer wieder heftig gegen das Netz, saß zwischenzeitlich depressiv herum, rappelte sich auf, versuchte es dann wieder und wieder und wieder……

Kann eine Wespe unglücklich oder verzweifelt sein? Wenn ja, machte Wespy durchaus diesen Eindruck.

Ich weiß nicht, wie Wespys Geschichte ausging, ob sie im Burnout endete (sie schien sehr gestresst), in Depressionen versank, oder doch noch den Weg nach draußen fand……denn ich wurde aufgerufen und entschied mich daher, mein
Verhaltensforschungsexperiment an dieser Stelle abzubrechen.

Doch Wespy‘s Geschichte erinnert mich an manche Menschen:

Menschen, die immer wieder die gleichen Dinge tun mit denen sie schon bisher nicht weiter kamen.
Die mit aller Kraft gegen das (manchmal nur eingebildete) Gitter fliegen, immer und immer wieder. Die sich im Kreis
drehen, mal hierhin mal dorthin fliegen, doch immer nur auf der einen Seite des Gitters.

Dabei kann es so einfach sein! Manchmal reicht ein kleiner Schritt, mal die Seite (oder Sichtweise) wechseln! Ein kleines Stück weiter gehen, eine andere Richtung probieren, einen anderen, vielleicht bislang unbekannten Teil des Gitters anschauen - und dann findet man ihn:

Den Weg in die Freiheit!

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